Stablecoin-Depeg
Der feste Wert war eine Zusage, kein Naturgesetz
Was kann passieren
Ein Depeg beginnt selten mit einem Knall. Er beginnt damit, dass jemand zweifelt.
Der Preis rutscht ein Stück. Wer das sieht, tauscht vorsichtshalber. Dadurch rutscht er weiter. Ob es dabei bleibt oder ob er sich erholt, entscheidet sich daran, wodurch der Wert getragen wird - und das ist bei jedem Stablecoin anders.
| Getragen von Geld auf einem Konto | Hier zweifelt man nicht am Mechanismus, sondern an der Bank oder am Anbieter. Der Preis fällt, solange der Zweifel besteht - und kehrt zurück, wenn er ausgeräumt ist. |
|---|---|
| Getragen von hinterlegten Kryptowerten | Fällt das Hinterlegte schnell genug, reicht es nicht mehr. Der Zweifel wird dann berechtigt, während er entsteht. |
| Getragen von einem Mechanismus | Hier liegt nichts dahinter. Wenn genug Halter gleichzeitig hinauswollen, gibt es nichts, was sie auffängt. Solche Fälle sind in der Vergangenheit nicht zurückgekehrt. |
Wie daraus ein finanzieller Schaden entsteht
Auf zwei Wegen gleichzeitig, und der zweite trifft auch Leute, die den Token nie gehalten haben.
Unmittelbar: Wer hundert Token hält, die einen Dollar wert sein sollten und noch neunzig Cent wert sind, hat zehn Dollar verloren. Sofort, ohne Zutun.
Mittelbar: Weil fast jedes Protokoll auf Stablecoins aufbaut, gerät gleichzeitig alles in Schieflage, was damit besichert ist. Kredite werden verwertet, weil die Sicherheit an Wert verliert. Tauschplätze geraten aus dem Gleichgewicht. Der Schaden breitet sich aus, ohne dass ein einziger Vertrag einen Fehler hätte.
Ein dokumentierter Fall
DOKUMENTIERTER FALLDer Zusammenbruch von TerraUSD, Mai 2022
Im März 2023 geriet auch ein durch Bankguthaben getragener Stablecoin unter seinen Zielwert: Nach der Mitteilung, dass rund 3,3 Milliarden US-Dollar der Reserven bei einer geschlossenen Bank lagen, fiel USDC zeitweise auf etwa 0,87 US-Dollar - und kehrte binnen weniger Tage zum Zielwert zurück, als die Einlagen gesichert wurden.
Dieselbe Erscheinung, zwei völlig verschiedene Verläufe. Das ist der Grund, warum die Frage nach der Deckung des Tokens vor der Frage nach seinem Preis kommt.
Kann das Gegenstand eines Covers sein?
Grundsätzlich ja, und es gibt Produkte, die genau diesen Fall adressieren.
Ungewöhnlich ist hier, dass das Ereignis keinen klaren Anfang hat. Ein Vertrag wird ausgenutzt oder nicht. Ein Preis dagegen rutscht, erholt sich, rutscht weiter. Ein Wording muss den Fall deshalb selbst definieren - über Schwelle, Messquelle und Dauer.
Was das Wording beantworten muss
| Ab welchem Abstand zum Zielwert? | Fünf Prozent? Zehn? Ohne Zahl gibt es kein Ereignis, nur eine Einschätzung. |
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| Gemessen woran? | An welchem Handelsplatz, mit welchem Verfahren? Verschiedene Quellen zeigen im Ernstfall verschiedene Preise. |
| Über welchen Zeitraum? | Eine Stunde unter der Schwelle oder eine Woche? Ohne Dauer zählt jede kurze Spitze - oder keine. |
| Was bei Rückkehr? | Erholt sich der Preis nach der Feststellung: bleibt die Leistung bestehen oder entfällt sie? |
| Welcher Token genau? | Stablecoins existieren auf mehreren Blockchains und in Varianten. Gedeckt ist einer davon, nicht der Name. |
| Worauf lautet die Leistung? | Auf denselben Token, der gerade an Wert verliert, oder auf einen anderen? |
Begriffe, die hier vorkommen
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Drei Arten, denselben Preis zu halten - und warum sie sich unter Druck unterscheiden.
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Woher ein Protokoll überhaupt weiß, was der Token gerade wert ist.
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Warum ein Depeg gleichzeitig alles trifft, was darauf aufbaut.