Verwahrungsrisiko
Wer den Schlüssel hat, hat die Werte - und das sind zwei Wege mit zwei Risiken
Was kann passieren
Die Frage ist nicht, welcher Weg sicherer ist. Die Frage ist, gegen wen man sich absichert.
| Selbst verwahrt | Niemand kann den Zugang sperren, niemand kann ihn wiederherstellen. Geht der Schlüssel verloren, sind die Werte endgültig unerreichbar. Wird sein Inhaber getäuscht, hat er selbst freigegeben. |
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| Verwahren lassen | Der Zugang ist wiederherstellbar, aber die Werte liegen bei jemand anderem. Dessen Zahlungsfähigkeit, Sorgfalt und Redlichkeit gehören ab jetzt zum eigenen Risiko. |
Bei der Verwahrung durch andere kommt eine Eigenschaft hinzu, die man von Banken nicht kennt: Es ist von außen nicht nachprüfbar, ob die Werte wirklich da sind. Was der Verwahrer anzeigt, ist eine Zahl auf seiner eigenen Oberfläche.
Wie daraus ein finanzieller Schaden entsteht
Bei Selbstverwahrung entsteht der Schaden beim Inhaber. Bei Fremdverwahrung entsteht er bei einem Dritten - und trifft dann alle dessen Kunden gleichzeitig.
Der zweite Fall ist der größere, weil sich dort viel bündelt. Ein Verwahrer hält die Werte tausender Menschen an einer Stelle. Fällt er aus - durch Zahlungsunfähigkeit, Missbrauch oder einen Angriff - ist nicht ein Konto betroffen, sondern alle.
Wer dann einen Anspruch hat, hat ihn gegen ein Unternehmen, nicht gegen die Blockchain. Was das wert ist, hängt davon ab, was noch vorhanden ist.
Ein dokumentierter Fall
DOKUMENTIERTER FALLZahlungsunfähigkeit der Handelsplattform FTX, November 2022
Der Fall ist hier bewusst aufgeführt, obwohl er kein Blockchain-Ereignis ist. Genau das ist der Punkt: Wer Werte verwahren lässt, tauscht ein technisches Risiko gegen ein unternehmerisches. Ob ein Cover-Produkt das erfasst, ist eine völlig andere Frage als beim Smart-Contract-Risiko.
Kann das Gegenstand eines Covers sein?
Teilweise, und hier ist die Antwort ausnahmsweise nicht schlicht ja.
Für die Selbstverwahrung gilt: Verlust des Schlüssels und Täuschung des Inhabers sind in Cover-Wordings häufig ausdrücklich ausgeschlossen - nicht aus Unwillen, sondern weil sich das Ereignis nicht von außen feststellen lässt.
Für die Fremdverwahrung gibt es Produkte, die den Ausfall eines Verwahrers adressieren. Sie ähneln dann eher einer klassischen Versicherung als einem Protokoll-Cover, denn das Ereignis liegt vollständig offchain.
Was das Wording beantworten muss
| Selbst- oder Fremdverwahrung? | Die meisten Produkte meinen genau eines von beiden. Welches, steht selten im Namen. |
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| Ist Verlust des Schlüssels erfasst? | In aller Regel nicht. Wenn doch, dann unter engen Voraussetzungen - diese Zeile genau lesen. |
| Ist Täuschung des Inhabers erfasst? | Wer selbst freigegeben hat, hat technisch zugestimmt. Das ist der häufigste Ausschluss. |
| Welcher Verwahrer genau? | Ein Produkt nennt ein Unternehmen, nicht eine Branche. Werte bei einem anderen sind nicht gemeint. |
| Was gilt als Ausfall? | Zahlungsunfähigkeit, Insolvenzantrag, Auszahlungsstopp - oder erst ein rechtskräftiges Verfahren? |
| Wie lange gilt die Feststellung? | Ein Insolvenzverfahren dauert Jahre. Wartet die Leistung darauf? |