Governance-Risiko
Die Regeln, unter denen das Geld dort liegt, sind änderbar
Was kann passieren
Abstimmungsrechte sind meist selbst ein Token. Und ein Token lässt sich kaufen, borgen oder ansammeln.
Wer genug davon hält, kann einen Vorschlag einbringen und selbst annehmen. Was ein solcher Vorschlag darf, ist von Protokoll zu Protokoll verschieden - und oft mehr, als Nutzer erwarten: Gebühren ändern, Parameter verschieben, den Oracle austauschen, Verträge gegen neue tauschen, in manchen Fällen an die Kasse.
Der Weg dorthin muss nicht Jahre dauern. Es gibt Konstruktionen, bei denen Stimmrechte für die Dauer einer einzigen Transaktion geborgt, zur Abstimmung eingesetzt und danach zurückgegeben werden.
Wie daraus ein finanzieller Schaden entsteht
Auf zwei Wegen, die sich im Ergebnis gleichen, in der Beurteilung aber völlig unterscheiden.
Der offene Weg: Ein Beschluss leitet Mittel um oder ändert die Regeln so, dass sie abfließen. Für die Blockchain ist das ein gültiger Vorgang. Es gibt keinen Einbruch, es gibt eine Mehrheit.
Der leise Weg: Ein Beschluss ändert einen Parameter, der harmlos aussieht - eine Schwelle, eine Frist, eine Preisquelle. Der Schaden entsteht Tage später und sieht dann aus wie ein gewöhnliches Marktereignis.
Wer sein Geld in einem Protokoll hat, hat es damit unter Regeln liegen, die jemand anderer ändern darf. Das ist keine Störung des Systems, das ist sein Entwurf.
Ein dokumentierter Fall
DOKUMENTIERTER FALLBeanstalk, April 2022
Genau dort liegt die Schwierigkeit dieses Risikos. Bei einem Smart-Contract-Risiko lässt sich zeigen, dass etwas anders lief als vorgesehen. Hier lief alles wie vorgesehen - die Eilfunktion war Teil der Regeln, die Mehrheit war echt. Nur hat das Vorgesehene niemand so gemeint.
Kann das Gegenstand eines Covers sein?
Eingeschränkt. Von allen hier beschriebenen Risiken ist dieses das am schwersten zu fassende.
Das Ereignis ist onchain vollständig sichtbar - besser dokumentiert als jeder Hack. Nur ist das Sichtbare eine ordnungsgemäße Abstimmung. Ein Wording muss deshalb nicht feststellen, ob etwas geschehen ist, sondern ob das Geschehene missbräuchlich war - und das ist eine Wertung, keine Beobachtung.
Manche Produkte schließen Governance ausdrücklich aus. Andere erfassen sie unter engen Voraussetzungen, etwa wenn Stimmrechte geborgt oder in kurzer Zeit gezielt angehäuft wurden.
Was das Wording beantworten muss
| Ist Governance überhaupt erfasst? | Häufiger ausgeschlossen als erfasst. Diese Zeile steht selten unter „Governance“, sondern unter den allgemeinen Ausschlüssen. |
|---|---|
| Was unterscheidet Missbrauch von Politik? | Eine unbeliebte, aber redliche Entscheidung ist kein Schaden. Wo verläuft die Grenze, und wer zieht sie? |
| Zählt geborgtes Stimmgewicht? | Für die Dauer einer Transaktion geliehene Stimmen sind das klarste Merkmal - und in manchen Wordings das einzige. |
| Wer stellt es fest? | Ein Ausschuss, ein Gutachter, eine weitere Abstimmung? Bei einem Wertungsfall entscheidet das Verfahren über das Ergebnis. |
| Auch bei mittelbarem Schaden? | Ein geänderter Parameter wirkt oft erst später. Ist der Zusammenhang dann noch gedeckt? |
| Was, wenn der Beschluss zurückgenommen wird? | Protokolle kehren Beschlüsse gelegentlich um. Entfällt die Leistung damit? |
Begriffe, die hier vorkommen
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Warum ein Protokoll mehr ist als seine Verträge - und wer es steuert.
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Der Unterschied zwischen Einbruch und Regelbefolgung, hier in Reinform.
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Eines der Stellräder, die sich per Beschluss austauschen lassen.